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Medizin · News

25.01.2010
HIV-Infektion lässt das Gehirn frühzeitig altern

St. Louis – Die Auswirkungen der HIV-Infektion auf das Gehirn werden möglicherweise unterschätzt. In einer Studie im Journal of Infectious Diseases (2010; 201: 336-340) mussten sich HIV-Infizierte bei der Lösung einfacher Aufgaben anstrengen wie gesunde Vergleichspersonen, die 15 bis 20 Jahre älter waren.

Derzeit ist nur jeder sechste HIV-Infizierte über 50 Jahre alt. Der Anteil wird sich jedoch in den nächsten Jahren auf 50 Prozent oder mehr erhöhen, sagt Beau Ances von der Washington University in St. Louis voraus.

Viele dieser älteren Patienten werden, so befürchtet der Neurologe, schwere kognitive Störungen bis hin zur Demenz entwickeln – auch wenn sie antiretrovirale Medikamente einnehmen. Diese Voraussage stützt sich auf die Untersuchung von 26 HIV-Infizierten, die sich einer funktionellen Magnetresonanztomographie unterzogen.

Dabei wird die Steigerung der Durchblutung gemessen, die durch bestimmte Hirntätigkeiten ausgelöst wird. Bei den Probanden von Ances war dies ein visueller Test, für dessen Bewältigung sich die HIV-Infizierten stärker anstrengen mussten als 25 gesunde Gleichaltrige.

Die Durchblutung in den aktivierten Hirnarealen stieg im gleichen Maße wie bei gesunden Menschen, die 15 bis 20 Jahre älter sind. Dieser Effekt bestand unabhängig davon, ob die Patienten mit antiretroviralen Medikamenten behandelt wurden oder nicht.

Ances führt die Hirnleistungsschwäche auf eine Schädigung des Gehirns in der Frühphase der Infektion zurück, in der noch keine Medikamente eingenommen werden. Dass die meisten HIV-Patienten keine Symptome haben, sei nur der großen Reserven des Gehirns zu verdanken, weshalb sich die Schäden erst im höheren Alter bemerkbar machen würden.

Diese Ansicht steht im Widerspruch zu bisherigen Erfahrungen, nach denen die Einführung der antiretrovirale Therapie zu einem Rückgang der HIV-assoziierten Demenz geführt hat (Nature Reviews Neuroscience 2007; 8: 33-44). © rme/aerzteblatt.de



Links zum Thema

Abstract der aktuellen Studie
Pressemitteilung der Washington University


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