Berkeley – Mexikanische Einwanderinnen in Kalifornien benötigten einer Studie in Environmental Health Perspectives (2010; doi:10.1289/ehp.0901450) zufolge signifikant mehr Zeit, um schwanger zu werden, wenn sie erhöhte Konzentrationen von polybromierten Diphenylether (PBDE) im Blut haben. Es ist die erste Studie, die negative Auswirkungen des Flammschutzmittels auf die Fruchtbarkeit beim Menschen nachweist.
PBDE werden seit den 70er Jahren als Flammschutzmittel in vielen Kunststoffen und Textilien eingesetzt, aus denen sie mit der Zeit an die Luft abgegeben werden. Über den Hausstaub gelangen sie in den menschlichen Organismus, wo sie im Fettgewebe akkumulieren.
In den USA lassen sich PBDE bei 97 Prozent der Bevölkerung im Blut nachweisen. Die Konzentrationen sind zwanzigfach höher als bei Europäern. Besonders stark ist die Bevölkerung in Kalifornien belastet, was auf die dortigen besonders strengen Auflagen beim Brandschutz zurückgeführt wird.
In Tierexperimenten stören PBDE den Stoffwechsel von Sexualhormonen und Schilddrüse. Sie können den Beginn der Geschlechtsreife der Tiere hinauszögern und sie verändern das Verhalten der Tiere, berichten Kim Harley und Mitarbeiter von der Berkeley School of Public Health.
Um die Auswirkungen von PBDE auf die menschliche Fruchtbarkeit zu untersuchen, befragten die Forscher 223 schwangere Frauen in einer vor allem von mexikanischen Einwanderinnen bewohnten Region, wie lange sie benötigten, um schwanger zu werden.
Gleichzeitig wurde die Konzentration der wichtigsten (von insgesamt 209 verschiedenen) PBDE im Blut bestimmt. Da die meisten jungen Frauen in Mexiko geboren wurden, waren die PBDE-Konzentrationen niedriger als im US-amerikanischen Durchschnitt. Dennoch wurde eine dosisabhängige Wirkung gefunden. Ein Anstieg der PBDE-Konzentration um den Faktor 10 verlängerte die Dauer bis zum Eintritt der Schwangerschaft um 30 Prozent.
Die Ergebnisse bestätigen die Bedenken gegen die Flammschutzmittel, die nach und nach zum Verbot geführt haben. In Kalifornien wurden PentaBDE und OctaBDE 2004 verboten, die Produktion von decaBDE soll 2013 eingestellt werden. In Europa gilt seit 2003 ein Verbot von PentaBDE und OctaBDE.
Die deutsche Industrie hatte bereits 1986 freiwillig auf die Verwendung von PentaBDE verzichtet. DecaPDE darf seit Juli 2008 nicht mehr in Elektro- und Elektronikartikeln verwendet werden.
© rme/aerzteblatt.de
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