Houston – Die Lebendviren der Rotavirusimpfstoffe können eine Durchfallerkrankung auslösen. Dies belegt eine Studie im New England Journal of Medicine (2010; 362: 314-319). Gefährdet sind Patienten mit einer schweren Immunschwäche.
Die Gruppe um Stuart Abramson von der Kinderklinik in Houston berichtet über drei Säuglinge, die nach der ersten oder der zweiten Dosis des Impfstoff RotaTeq® an einer schweren Diarrhöe mit Dehydrierung erkrankten.
Durch die Analyse der Virusgene konnte eine Wildtyp-Infektion mit Rotaviren ausgeschlossen werden. Zum Impfzeitpunkt war noch nicht klar, dass die Kinder an einer angeborenen schweren kombinierten Immunschwäche (SCID) litten, die eine Kontraindikation gegen die Impfung ist. Die Kinder erholten sich erst nach einer Therapie der SCID (zweimal Stammzelltransplantation, einmal Substitution von Adenosin-Deaminase) von den schweren Durchfällen.
Da die Rotavirus-Impfungen in den ersten Lebensmonaten erfolgen, bevor SCID-Erkrankungen typischerweise diagnostiziert werden, ist die Komplikation kaum vermeidbar. Ob Patienten mit anderen Immunschwächen ebenfalls gefährdet sind, ist nicht bekannt.
Nach den Angaben des Editorialisten Mathuram Santosham von der Bloomberg School of Public Health in Baltimore gibt es keine Hinweise, dass HIV-Infizierte Kinder gefährdet sind. Er rät aber zu erhöhter Aufmerksamkeit (NEJM 2010; 362: 358-360).
Santosham kommentiert außerdem die Ergebnissen aus zwei größeren randomisierten Studien, in denen Rotarix®, der andere der beiden zugelassenen Impfstoffe, die Rate schwerer Erkrankungen in Südafrika und Malawi (NEJM 2010; 362 289-298) und in Mexiko (NEJM 2010; 362: 299-305) senkte.
Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation könnten die beiden Impfstoffe in den nächsten zehn Jahren 2 Millionen Todesfälle verhindern, die meisten davon in den Entwicklungsländern – in den Industrieländern sterben dank der guten medizinischen Versorgung nur wenige Säuglinge an Durchfallerkrankungen.
Kritiker zweifeln jedoch am Erfolg einer Kampagne, da die Impfstoffe nicht nur für viele Länder zu teuer sind (trotz einer Anschubfinanzierung durch die Gates-Stiftung). Sie müssen auch – da es sich um Lebendimpfstoffe handelt – gekühlt gelagert werden. Dies dürfte das Gesundheitssystem vieler Länder ebenso überfordern wie die Organisation von drei Impfterminen in den ersten Lebensmonaten.
© rme/aerzteblatt.de
Weitere News
|
Archiv
» Mai 2010
» Mai 2009
» Mai 2008
» Mai 2007
» Mai 2006
|