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Medizin · News

29.01.2010
Sedierung verlängert Liegezeit auf Intensivstationen

Odense – Eine Sedierung macht eine mechanische Beatmung für viele Intensivpatienten erträglicher. Sie erschwert jedoch auch die Rückkehr zur normalen Atmung. In einer randomisierten klinischen Studie im Lancet (2010; doi: 10.1016/S0140-6736(09)62072-9) führte der Verzicht auf eine routinemäßige Sedierung beatmeter Patienten zu deutlich verkürzten Liegezeiten.

Auf vielen Intensivstationen wird die früher kontinuierlich durchgeführte Sedierung heute einmal am Tag unterbrochen, um den Patienten zu untersuchen. Diese Maßnahme basiert auf einer randomisierten Studie, in der diese Maßnahme die durchschnittliche Dauer der Beatmung verkürzt hatte, ohne dass dies zu vermehrten Komplikationen führte (NEJM 2000; 342: 1471-7).

Intensivmediziner der Universität von Süddänemark in Odense gingen jetzt in einer randomisierten Studie noch einen Schritt weiter. Bei der Hälfte der 140 Teilnehmer – Patienten mit einer erwarteten Beatmungszeit von mehr als 24 Stunden – wurde ganz auf eine planmäßige Sedierung verzichtet.

Die Patienten konnten aber bei Bedarf einen Morphin-Bolus zur Schmerzlinderung erhalten. In der zweiten Gruppe wurden die Patienten sediert (20 Milligramm pro Milliliter Propofol für 48 Stunden, danach Midazolam 1 mg/ml) mit täglicher Unterbrechung bis zum Erwachen.

Wie Thomas Strøm und Mitarbeiter berichten, verlängerte der Verzicht auf die Sedierung die Zahl der Tage ohne Beatmung von im Mittel 9,6 auf 13,8 Tage (in einem Zeitraum von 28 Tagen). Außerdem konnten die Patienten früher (nach 13,1 vs. 22,8 Tagen) aus der Intensivstation entlassen werden. Die Anzahl der Extubationen durch den Patienten, der Computer- oder Kernspintomographien des Gehirns oder der ventilatorassoziierten Pneumonien war in beiden Gruppen gleich.

Es kam allerdings häufiger zu agitierten Delirien (20 vs. 7 Prozent), zum häufigeren Einsatz von Haloperidol (35 vs. 14 Prozent), und die Patienten benötigen häufiger eine bettseitige Betreuung (20 vs. 5 Prozent), sodass der Verzicht auf die Sedierung sicherlich mit einem erhöhten personellen und medizinischem Aufwand verbunden ist, wie der Editoralist Laurent Brochard von der Université Paris-Est in Créteil feststellt (Lancet 2010; doi: 10.1016/S0140- 6736(10)60103-1). © rme/aerzteblatt.de



Links zum Thema

Abstract der Studie
Pressemitteilung des Lancet


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