Liverpool – Britische Schmerzforscher haben möglicherweise eine wirksame Behandlung des komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS) entdeckt. In einer kleineren randomisierten Studie in den Annals of Internal Medicine (2010; 152: 152-158) linderte eine einmalige intravenöse Gabe von Immunglobulinen die Beschwerden der Patienten.
Zu einem CRPS (für: Complex Regional Pain Syndrome) kann es nach Verletzungen von Extremitäten (z. B. Radiusfrakturen, Nervenverletzungen jeglicher Art), aber auch nach therapeutischen (z. B. Karpaltunneloperationen) oder diagnostischen (z. B. Arthroskopien) Eingriffen kommen.
Die Vielzahl der Synonyme des CRPS wie sympathische Reflexdystrophie, Morbus Sudeck, Algodystrophie oder Kausalgie zeigt die konzeptionelle Ratlosigkeit. Die Entstehung der Schmerzen ist nicht geklärt und die Therapie gestaltet sich schwierig, vor allem in den – glücklicherweise seltenen – Fällen, in denen die Beschwerden auch nach Monaten nicht nachlassen.
Andreas Goebel und Mitarbeiter am Pain Research Institute in Liverpool vermuten, dass eine pathologische Immunreaktion auf die Verletzung an der Pathogenese des CRPS beteiligt ist. In einer kleinen Studie wurden 12 Patienten auf eine Behandlung mit intravenösen Immunglobulinen (IVIG) oder Placebo-Infusionen randomisiert.
Die Patienten hatten seit 6 bis 30 Monaten an intensiven Schmerzen gelitten. Die einmalige Infusion linderte sie um 1,55 Einheiten auf einer 10-Punkte-Skala. Bei drei Patienten soll es zu einer deutlichen Reduktion um mehr als die Hälfte im Vergleich zu Placebo gekommen sein.
Die Therapie wurde von allen Patienten gut vertragen. Es ist allerdings nicht klar, ob die Patienten mit einer IVIG auskommen oder ob weitere Therapien notwendig werden. Dann könnte die Therapie zu einem wichtigen Kostenfaktor werden, und auch die Verträglichkeit könnte sich wegen immunologischer Reaktionen auf die IVIG verschlechtern.
© rme/aerzteblatt.de
Weitere News
|
Archiv
» Mai 2010
» Mai 2009
» Mai 2008
» Mai 2007
» Mai 2006
|