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Medizin · News

14.06.2007
Empfehlung aus Norwegen: Lebertran beugt Depressionen vor

Bergen – Ausgerechnet Lebertran, der Kinderschrecken früherer Generationen, soll nach einer Studie im Journal of Affective Disorders (2007; 101:245-249) Depressionen vorbeugen. Allerdings ist die Beweiskraft von Querschnittsstudien gering, sodass Kindern (und Erwachsenen) das Ritual früherer Tage erspart bleiben dürfte.

Der aus Dorschleber hergestellte gelbe, fette, dickflüssige Lebertran, wurde den Kindern oft als Stärkungsmittel täglich in der Dosis eines Esslöffels verabreicht. Sofortiges Erbrechen war keine seltene Nebenwirkung, und noch heute dreht sich vielen erwachsenen Menschen der Magen um, wenn sie daran zurückdenken. Nicht so in Norwegen.

Nach den Ergebnissen der Hordaland Health Study (HUSK), die 1997 bis 1999 21.835 Einwohner der Jahrgänge 1950/51 und 1925/27 befragte, nehmen 8,9 Prozent der Erwachsenen regelmäßig Lebertran ein, obwohl nach Einschätzung von Ernährungswissenschaftlern in der norwegischen Bevölkerung kein Mangel an Vitamin A und D besteht. Diese sind in Lebertran so reichlich enthalten, dass die obere Grenze der empfohlenen täglichen Zufuhr schnell überschritten werden kann.

Aber die norwegische Bevölkerung scheint so gewöhnt an die tägliche Dosis Lebertran zu sein, dass sie auf diese Tradition nicht verzichten mag. Und nach einer Analyse von Einar Martens, Forscher an der Haukeland Universitätsklinik Bergen, tut sie gut daran. Denn von den Befragten, die angaben, täglich Lebertran zu sich zu nehmen, litten nur 2,5 Prozent an Depressionen (nach den Angaben im Hospital Anxiety and Depression Scale-Fragebogen). Unter den Norwegern, die ohne Lebertran auskommen, waren es dagegen 3,8 Prozent. Daraus errechnet Martens eine Odds Ration von 0,71 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,52-0,97), was einer Reduktion des Erkrankungsrisikos um 29 Prozent entspricht.

Aufgrund der großen Teilnehmerzahl konnten andere Gründe für das gesunde Gemüt der Lebertran-Fans ausgeschlossen werden. Die Assoziation blieb bestehen, wenn Alter, Geschlecht, Rauchen, der Genuss von Kaffee oder Alkohol, körperliche Bewegung oder Ausbildung einbezogen wurde. Martens fand sogar eine Dosis-Wirkungsbeziehung. In der Gruppe der 40 bis 46-Jährigen nahm die Prävalenz schwerer Depressionen mit der Dauer der Lebertran-Einnahme ab. 

Fast ist man versucht zu vermuten, dass Menschen mit einer Neigung zu Depressionen seltener als andere Menschen die Willenskraft aufbringen, den fettigen Tran über längere Zeit einzunehmen. Auch dies würde, in der Umkehrung der von Martens vermuteten Kausalität, die Assoziation erklären. Dies ist einer der Gründe, warum Querschnittsstudien nicht dazu geeignet sind, die Auswirkungen von Lebensgewohnheiten auf die Gesundheit zu belegen. © rme/aerzteblatt.de



Links zum Thema
» Abstract der Studie
» Hordaland Health Study


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