Hannover – Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wollen von Kosmonauten lernen, wie Kreislaufprobleme entstehen. Dazu untersuchen sie, wie sich die Langzeitschwerelosigkeit auf die Herz-Kreislauf-Funktionen von Kosmonauten der Raumstation ISS auswirkt.
„Wir hoffen durch den Vergleich der Daten die Ursachen für Kreislaufprobleme besser zu verstehen und sie in Zukunft effektiver behandeln zu können“, sagt Jens Tank, Leiter der Arbeitsgruppe Klinische Pharmakologie des Herz-Kreislauf-Systems am MHH-Institut für klinische Pharmakologie.
In einem ersten Teilprojekt untersuchten die Wissenschaftler mit einem eigens dazu entwickelten Gerät, den Puls der Kosmonauten. „Mit Hilfe einfacher Messungen von Puls- und Atemfrequenz, während sechs Monaten im All und in den ersten Tagen nach der Landung konnten wir so wichtige Erkenntnisse sammeln“, sagt Tank.
Seit 2007 wird an Bord der ISS nun die sogenannte „Pneumocard“ eingesetzt, die Aussagen zur Funktion des Herzens erlaubt. Erste Ergebnisse lassen laut Tank darauf schließen, dass die Schwerelosigkeit für Herz und Kreislauf eher gut sind. Viel schwieriger scheint dagegen die erneute Anpassung an die Schwerkraft nach der Landung zu sein.
„Große Probleme haben die Kosmonauten in den ersten Tagen nach der Landung mit längerem Stehen. Das Herz rast und gelegentlich kommt es auch zu einer Ohnmacht“, sagt der Mediziner. Derartige Störungen der Kreislaufregulation träten auch bei manchen Patienten auf.
© hil/aerzteblatt.de
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